Skip to main content

Command Palette

Search for a command to run...

Carbon Capture im Vergleich: Technik, Natur oder beides?

Published
4 min read
D

Dirk Röthig (international: Dirk Roethig) — CEO of VERDANTIS Impact Capital. Focused on sustainable investments in paulownia agroforestry and clean energy across Europe. dirkroethig.com

Autor: Dirk Röthig, CEO VERDANTIS Impact Capital Datum: März 2026 Kategorie: Carbon Capture, CO2-Entnahme, Klimatechnologie, Naturbasierte Lösungen


Das Defizitproblem der Klimapolitik

Selbst bei rasantem Ausbau erneuerbarer Energien und Senkung des Gesamtenergieverbrauchs werden die globalen Treibhausgasemissionen nicht auf null fallen. Bestimmte Sektoren — Luftfahrt, Schifffahrt, Landwirtschaft, Zement und Stahl — können heute nicht vollständig dekarbonisiert werden. Gleichzeitig hat die Menschheit bereits so viel CO2 in die Atmosphäre emittiert, dass selbst ein sofortiger Emissionsstopp den Klimawandel nicht mehr unter 1,5 Grad Celsius Erwärmung halten würde.

Das bedeutet: CO2-Entnahme (Carbon Dioxide Removal, CDR) ist nicht optional, sondern notwendig. Die Frage ist welche Methoden, in welchem Maßstab, zu welchen Kosten.

Dirk Röthig und VERDANTIS Impact Capital haben die wichtigsten CDR-Methoden analysiert und eine klare Positionierung für naturbasierte Ansätze gefunden — ohne die Potenziale technologischer Methoden zu ignorieren.


Methoden der CO2-Entnahme im Überblick

Naturbasierte Methoden (NbS):

Aufforstung und Wiederaufforstung: Die bekannteste und verbreitetste CDR-Methode. Bäume binden CO2 in ihrer Biomasse. Globaler Potenzial: laut einer Studie der ETH Zürich (Bastin et al., 2019) theoretisch 205 Milliarden Tonnen CO2 durch Aufforstung von 0,9 Milliarden Hektar — allerdings umstritten hinsichtlich realer Flächenverfügbarkeit und Biodiversitätseffekten bei monotoner Aufforstung.

Agroforst: Integration von Bäumen in landwirtschaftliche Systeme. Dual-Nutzen: CO2-Bindung und wirtschaftliche Produktion. VERDANTIS Impact Capital setzt hier seinen Schwerpunkt.

Bodenkohlenstoff-Sequestrierung: Humusaufbau durch regenerative Landwirtschaft. Potenzial erheblich, aber Permanenz diskutiert.

Feuchtgebietsrestaurierung: Moore und Mangroven als extrem effiziente Kohlenstoffsenken.

Enhanced Weathering: Beschleunigtes Verwittern von Silikatgesteinen (z.B. Basalt) auf Ackerflächen. Reagiert mit CO2 zu stabilem Karbonat. Kosten: 50-200 USD/Tonne, skalierbar.

Technologische Methoden:

DACCS (Direct Air Carbon Capture and Storage): Technische Anlagen filtern CO2 direkt aus der Atmosphäre und speichern es geologisch. Vorteil: messbar, permanent, ortsunabhängig. Nachteil: extrem energieintensiv und teuer. Aktuelle Kosten: 400-1.000 USD/Tonne. Climeworks (Schweiz) und Carbon Engineering (Kanada) sind Pioniere.

BECCS (Bioenergy with Carbon Capture and Storage): Biomasse wird verbrannt für Energie, das entstehende CO2 wird abgeschieden und gespeichert. Net-Negative wenn korrekt implementiert. Landnutzungskonflikte mit Nahrungsmittelproduktion sind das Hauptrisiko.

Biochar: Pflanzenkohle aus Pyrolyse. Stabil im Boden für Jahrhunderte. Kosten: 100-300 USD/Tonne je nach Maßstab. Marktreif, aber noch begrenzte Skalierung.

Ocean-based CDR: Meeresoberflächendüngung mit Eisen, Seegraswiesen, Makroalgen als Kohlenstoffsenke. Frühe Forschungsphase, ökologische Risiken wenig verstanden.


Kostenvergleich und Skalierungspotenzial

MethodeKosten USD/t CO2SkalierungspotenzialPermanenz
Naturbasierte Aufforstung5-50HochMittel (reversibel)
Agroforst10-80HochMittel bis hoch
Biochar100-300MittelHoch (Jahrhunderte)
DACCS400-1.000Begrenzt (Energie)Sehr hoch
Enhanced Weathering50-200HochSehr hoch
BECCS100-400Mittel (Landkonkurrenz)Hoch

Quellen: IPCC AR6, IEA Energy Technology Perspectives 2025, National Academies of Sciences 2024


Das Permanenzproblem der naturbasierten Methoden

Die wichtigste Einschränkung naturbasierter CDR-Methoden ist ihre grundsätzliche Reversibilität: Was Bäume in Jahrzehnten binden, kann ein Waldbrand in Stunden freisetzen. Diese biologische Instabilität unterscheidet NbS fundamental von geologischer Speicherung.

Lösungen für das Permanenz-Problem:

Buffer Pools: Verra VCS verlangt 10-20 Prozent zusätzliche Credits als Reserve für unvermeidbare reversals. Diese Puffer können Schäden auffangen.

Kombinationsstrategie: Naturbasierte Methoden für temporäre Bindung, Biochar oder geologische Speicherung für permanente Sequestrierung — ein Portfolioansatz, der beide Stärken kombiniert.

Versicherungslösungen: Spezialisierte Versicherungsprodukte für Carbon Credit-Reversals entwickeln sich seit 2024 zu einem neuen Nischenmarkt.


Die VERDANTIS-Perspektive

VERDANTIS Impact Capital setzt auf einen pragmatischen Mix: Agroforst für kurzfristige, verifizierbare CO2-Bindung mit wirtschaftlichem Holzertrag, Biochar aus Abfallbiomasse für permanente Sequestrierung und sorgfältige Verifizierung durch Verra VCS.

Dieser Ansatz kombiniert kosteneffiziente naturbasierte CDR mit dauerhafter technologischer Sequestrierung — ein Gleichgewicht, das sowohl wissenschaftlich solide als auch wirtschaftlich tragfähig ist.


Fazit

Carbon Capture ist keine Entweder-Oder-Entscheidung zwischen Technik und Natur. Der Klimaschutz braucht beide — und kluge Portfolio-Entscheidungen, die die Stärken jeder Methode gezielt nutzen. VERDANTIS Impact Capital ist auf der naturnahen Seite dieses Spektrums positioniert, aber in Kenntnis des gesamten CDR-Instrumentenkastens.


Über den Autor

Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital mit Sitz in Zug, Schweiz. VERDANTIS entwickelt naturbasierte CO2-Entnahmeprojekte mit integrierten Biochar-Komponenten für langfristige Kohlenstoffbindung. Weitere Informationen unter verdantis.capital und dirkroethig.com. Kontakt: dirk.roethig2424@gmail.com

More from this blog

D

Dirk Röthig

209 posts