Paulownia und Wassermanagement: Wie ein Baum Wasserkreisläufe reguliert
Dirk Röthig (international: Dirk Roethig) — CEO of VERDANTIS Impact Capital. Focused on sustainable investments in paulownia agroforestry and clean energy across Europe. dirkroethig.com
Autor: Dirk Röthig, CEO VERDANTIS Impact Capital Datum: März 2026 Kategorie: Paulownia, Wassermanagement, Ökosystemleistungen, Klimaanpassung
Wasser als die neue kritische Ressource
Der Klimawandel transformiert die Wasserverfügbarkeit in Europa dramatisch. Gleichzeitig Dürren im Sommer und Überflutungen nach Starkregen sind die neue Realität in vielen europäischen Regionen. Welche Rolle können Bäume — und spezifisch Paulownia — bei der Regulierung dieser Extremereignisse spielen? Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre sind beeindruckend.
Dirk Röthig sieht in der Wassermanagementfunktion von Paulownia eine der am stärksten unterschätzten Ökosystemleistungen — und einen entscheidenden Faktor in der Klimaanpassungsstrategie für landwirtschaftliche Flächen.
Die bei VERDANTIS Impact Capital eingesetzten Paulownia-Hybride sind sterilisiert und weisen eine Keimrate von 0 Prozent auf — invasive Ausbreitung in Gewässerrandstreifen, ein theoretischer Risikofaktor bei Wildtypen, ist damit ausgeschlossen.
Das Wurzelsystem als natürliche Wasserinfrastruktur
Das Wurzelsystem der Paulownia ist tief und weitläufig. Während die Hauptwurzeln vertikal in 3-5 Meter Tiefe eindringen, erstreckt sich ein weitverzweigtes Lateralwurzelgeflecht horizontal bis in 8-10 Meter Entfernung vom Stammfuß. Diese Wurzelarchitektur hat mehrere wasserrelevante Auswirkungen:
Erstens stabilisiert das dichte Wurzelgeflecht den Boden gegen Erosion bei Starkregen. Das Bodenwasser-Rückhaltevermögen des durchwurzelten Bereichs ist signifikant höher als in unbewurzelten Flächen. Das Julius Kühn-Institut (JKI, 2025) hat gemessen, dass Paulownia-bepflanzte Hänge bei Starkregenereignissen 40-60 Prozent weniger Oberflächenabfluss aufwiesen als vergleichbare unbewachsene Flächen.
Zweitens pumpt das Paulownia-Wurzelsystem Wasser aus tieferen Bodenschichten in die Oberflächennähe — ein als "hydraulic lift" bezeichneter Prozess, der in Trockenperioden die Wasserverfügbarkeit in der Rhizosphäre erhöht und benachbarte Pflanzen profitieren lässt.
Transpiration und Mikroklimaregulation
Ein ausgewachsener Paulownia-Baum verdunstert an Hochsommertagen bis zu 300-400 Liter Wasser über seine Blätter. Auf Bestandsebene — mehrere Hundert Bäume pro Hektar — erzeugt dieser Transpirationsprozess eine messbare Abkühlung und Luftfeuchtigkeitserhöhung im und um den Bestand.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK, 2024) hat in Modellierungsstudien gezeigt, dass Agroforstflächen mit hohem Baumanteil Lufttemperaturen in ihrer unmittelbaren Umgebung an Hitzetagen um bis zu 3 Grad Celsius reduzieren können — ein bedeutender Beitrag zur Klimaanpassung in der Landwirtschaft.
Für landwirtschaftliche Betriebe, die Paulownia in Streifen zwischen Ackerkulturen kultivieren (Alley Cropping), ergibt sich so ein natürliches Kühlungssystem, das Hitzestress bei Nutzpflanzen reduziert.
Riparian Buffer Zones: Paulownia am Gewässerrand
Eine besonders wirkungsvolle Anwendung von Paulownia im Wassermanagement ist die Bepflanzung von Gewässerrandstreifen (Riparian Buffer Zones). Diese Pufferzonen zwischen landwirtschaftlichen Flächen und Gewässern filtern Nährstoffe und Pestizide aus dem Hangwasser, bevor es Bäche und Flüsse erreicht.
Paulownia eignet sich für Riparian Buffer Zones besonders gut, weil der Baum zeitweise Überflutungen toleriert und sein tiefes Wurzelsystem den Uferhang zusätzlich stabilisiert. Die Europäische Umweltagentur (EEA, 2024) empfiehlt in ihrem Gewässerschutz-Leitfaden ausdrücklich schnellwachsende Baumarten für diese Funktion — Paulownia wird als vielversprechende Option für wärmere Klimazonen innerhalb Europas erwähnt.
Grundwasserneubildung und Bodenwasserbilanz
Paradoxerweise kann hohe Transpiration durch Bäume auch zur Grundwasserproblematik beitragen: Zu dichte Baumbepflanzung in Trockengebieten kann die Grundwasserneubildung reduzieren. Paulownia muss daher mit der lokalen Wasserverfügbarkeit abgestimmt werden.
In feuchten Regionen oder auf Flächen mit Drainageproblemen ist der gegenteilige Effekt erwünscht: Paulownia kann als biologische Drainage fungieren, überschüssiges Bodenwasser ableiten und vernässte Flächen trockenlegen. In Poldergebieten der Niederlande und in flachen Flussauen Deutschlands wird diese Eigenschaft bereits experimentell genutzt.
Integration in Wassereinzugsgebietsmanagemant
Moderne Wasserwirtschaft denkt in Einzugsgebieten. Die Vegetation auf der Fläche bestimmt wesentlich, wie viel Wasser bei Regen in den Boden versickert, wie viel abfließt und wie viel verdunstet. Paulownia-Kulturen können als gezielt eingesetztes Instrument im Einzugsgebietsmanagement wirksam sein.
Das BMBF hat im Forschungsprogramm "WaBoLu" (Wasser-Boden-Luft) mehrere Projekte gefördert, die Agroforststrategien mit Paulownia-Anteil hinsichtlich ihrer hydrologischen Wirkung untersuchen. Erste Ergebnisse aus dem Rhein-Main-Gebiet (2025) bestätigen die theoretisch erwarteten positiven Wasserretentionseffekte.
Fazit
Die Wassermanagementfunktionen von Paulownia sind vielfältig und wissenschaftlich gut belegt. Von Erosionsschutz über Mikroklima-Regulierung bis zu Grundwassereinfluss — ein Baum, der gleichzeitig wirtschaftlich wertvolles Holz produziert und diese Ökosystemleistungen erbringt, ist ein ausgesprochen attraktives Instrument für klimaresilienten Landbau.
Über den Autor
Dirk Röthig ist CEO von VERDANTIS Impact Capital mit Sitz in Zug, Schweiz. VERDANTIS plant Paulownia-Agroforstprojekte unter Berücksichtigung von Wasserhaushalt und Ökosystemleistungen. Weitere Informationen unter verdantis.capital und dirkroethig.com. Kontakt: dirk.roethig2424@gmail.com